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Die Pigeon-Lampe – eine einfache, aber geniale Erfindung

Beschreibung

Die Pigeon-Lampe gehört zu den bekanntesten Benzinlampen des späten 19. Jahrhunderts. Ihre Konstruktion ist bewusst einfach gehalten und überzeugt durch Zuverlässigkeit, Sicherheit und eine gleichmäßige Lichtausbeute.

Die Lampe besteht aus einem zylindrischen Brennstoffbehälter mit einem konisch geformten Brenner. Vom Boden bis zur Brennerspitze misst sie etwa 18 cm und besitzt einen Bodendurchmesser von rund 8 cm. Das Fassungsvermögen des Behälters beträgt etwa 15 cl.

Über der Flamme sitzt ein transparenter Glaszylinder (Verrine). Er schützt die Flamme vor Zugluft, vermindert die Verbrennungsgefahr und sorgt gleichzeitig für ein weicheres, gleichmäßiger verteiltes Licht.

Eine seitliche Rändelschraube dient zur Regulierung des Dochtes. Mit ihr kann der Docht präzise angehoben oder abgesenkt werden, wodurch sich die Flammenhöhe einstellen lässt. Ursprünglich war an dieser Rändelschraube eine kleine Kette befestigt. Sie hielt den Verschlussdeckel des Brenners, der beim Transport und im ausgeschalteten Zustand das Verdunsten des Brennstoffs verhinderte. Bei vielen erhaltenen Lampen ist diese Kette heute nicht mehr vorhanden.

Ein stabiler Tragebügel erleichtert das Transportieren und Aufhängen der Lampe. Je nach Ausführung besitzt der Bügel zwei unterschiedlich geformte Befestigungsöffnungen. Auf dem Brennstoffbehälter, der Rändelschraube und dem Tragebügel finden sich häufig eingeprägte Herstellerangaben oder Patenthinweise

Material und Verarbeitung

Die meisten Pigeon-Lampen wurden aus poliertem Messing gefertigt. Dieses Material besteht überwiegend aus Kupfer und Zink. Der Zinkanteil – bei Pigeon-Lampen etwa 30 bis 35 % – verleiht dem Messing seine typische goldgelbe Farbe und erhöht gleichzeitig dessen Härte.

Reines Kupfer wäre für die Herstellung solcher Lampen ungeeignet, da es sich beim Abkühlen stark zusammenzieht. Messing hingegen lässt sich hervorragend bearbeiten und war deshalb ein bevorzugter Werkstoff für präzise Metallarbeiten. Gelegentlich wurden geringe Mengen Blei zugesetzt, um die spanende Bearbeitung zu erleichtern.

Viele originale Pigeon-Lampen zeigen heute eine grünliche Patina (Grünspan). Sie entsteht durch die natürliche Oxidation des Kupferanteils und ist ein typisches Altersmerkmal historischer Messingobjekte. Da diese Lampen in der Regel nicht vernickelt waren, konnte sich diese Patina ungehindert bilden.

Durchdachte Technik

Eine leere Standard-Pigeon-Lampe wiegt etwa 220 Gramm.

Im Inneren des Brennstoffbehälters befindet sich eine Füllung aus Filz, bei einigen Ausführungen auch aus Lamahaar. Dieses Material speichert den Brennstoff und gibt ihn gleichmäßig an den etwa 7 mm starken Runddocht weiter.

Ein raffiniert konstruiertes Drahtsystem sorgt dafür, dass der Docht ständig Kontakt mit dem saugfähigen Füllmaterial hat. Dadurch wird der Brennstoff ausschließlich durch die Kapillarwirkung nach oben gefördert. Diese Konstruktion gewährleistet eine gleichmäßige und ruhige Flamme.

Besonders bemerkenswert ist der doppelte Boden des Brennstoffbehälters. Zwischen dem äußeren und inneren Boden befindet sich ein etwa einen Zentimeter hoher Hohlraum, der mit Ton- oder Magnesitpulver gefüllt wurde. Diese Ballastfüllung erhöht das Eigengewicht der Lampe und verbessert ihre Standfestigkeit erheblich, wodurch sie weniger leicht umkippt.

Lampenkunde

System Pigeon (Quelle Leuchtende Vergangenheit / Werner Touché)

Brennstoff

Pigeon-Lampen wurden ursprünglich für den Betrieb mit Mineralbenzin (Essence minérale) entwickelt. Dabei handelte es sich um ein leichtes, raffiniertes Erdöldestillat, das sich deutlich von Petroleum unterscheidet.

Das damals verwendete Mineralbenzin entsprach in seinen Eigenschaften weitgehend der heute bekannten Wasch- oder Reinigungsbenzine (Benzine de teinturerie). Es verbrannte sauber, erzeugte nur wenig Geruch und war zur damaligen Zeit günstiger als Petroleum.

Wichtiger Hinweis: Historische Pigeon-Lampen sind ausschließlich für den vorgesehenen Brennstoff konstruiert. Der Betrieb mit Petroleum oder modernen Lampenölen ist konstruktionsbedingt nicht vorgesehen und führt in der Regel zu einer unzureichenden Funktion der Lampe.

Ist Feuerzeugbenzin ideal?

Pigeon-Lampe & Brennstoff

Die klassische Pigeon-Lampe wurde für Leichtbenzin gebaut.

Modernes hochwertiges Feuerzeugbenzin kommt diesem Brennstoff recht nahe.

Wichtig:

Kein Autobenzin, kein Petroleum und kein Lampenöl verwenden.

Nur kalt befüllen, verschütteten Brennstoff entfernen und vor dem Betrieb Tank, Dichtungen und Brenner prüfen.

Benzindämpfe sind leicht entzündlich – sorgfältiger Umgang ist Pflicht.

Pigeon – eine vielfach kopierte Qualitätsmarke

Originale Pigeon-Lampen lassen sich an zahlreichen eingeprägten Markenzeichen erkennen. Auf dem Tank befinden sich verschiedene Inschriften wie „Lampe Pigeon“, „Véritable“ (Original), „Garantie“ sowie der Hinweis „Inexplosible à l'essence minérale“, was auf die damalige Sicherheitskonstruktion für den Betrieb mit Leichtbenzin hinweist.

Ein weiteres unverwechselbares Merkmal ist das Markenzeichen: Eine Taube (französisch Pigeon), die auf einem Globus sitzt und eine Lampe im Schnabel trägt. Dieses Symbol findet sich zusammen mit mehreren Auszeichnungen, darunter die Silbermedaille der Pariser Ausstellung 1885, das Diplôme d'honneur Arcachon 1886 sowie weitere Hinweise auf die geschützte Konstruktion.

Auch am Tragegriff und an der Stellschraube befinden sich Herstellerangaben. Besonders auffällig ist die damals werbewirksam verwendete Aufschrift, nach der 10'000 Francs demjenigen garantiert würden, der eine korrekt betriebene Pigeon-Lampe zur Explosion bringen könne. Diese Aussage sollte die aussergewöhnliche Sicherheit der Lampe unterstreichen.

Ab etwa 1900, nachdem die Patente ausliefen, erschienen zahlreiche Nachbauten. Äusserlich ähneln sie den Originalen oft stark. Bekannte Beispiele sind Lampen der Marke Valdor, die Grösse, Form und Konstruktion weitgehend übernahmen. Entscheidend zur Unterscheidung sind jedoch die eingeprägten Markenzeichen und Inschriften. Fehlen diese oder tragen sie einen anderen Herstellernamen, handelt es sich nicht um eine originale Pigeon-Lampe.

Benzinlampen

Kompakte Lichtquellen mit faszinierender Technik

Kompakte Lichtquellen mit faszinierender Technik

Benzinlampen zählen zu den innovativsten Beleuchtungssystemen ihrer Zeit. Dank des leicht flüchtigen Feuerzeugbenzins erzeugen sie eine helle, gleichmäßige Flamme und überzeugen durch ihre kompakte Bauweise. Modelle renommierter Hersteller wie Pigeon oder Valdor stehen bis heute für ausgeklügelte Technik, hohe Sicherheit und zeitlose Handwerkskunst. Als historische Originale sind sie heute begehrte Sammlerstücke und eindrucksvolle Zeugen der Entwicklung der künstlichen Beleuchtung.


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